Philipp Rüttgers Trio              

RE: SATIE – Picturing the Invisible


Wenn man an Erik Satie denkt – man nehme die charakteristische Melancholie, bereichere sie um Gelassenheit sowie einen Hauch von Humor und platziere das Ganze im Kontext eines zeitgenössischen Jazz-Piano-Trios –, beginnt man zu ahnen, worum es in diesem Album geht: um die Suche nach dem Bild des Unsichtbaren in Saties Musik.

Für sein zweites Trio-Album taucht der in Deutschland geborene Pianist und Komponist Philipp Rüttgers tief in die Welt dieses exzentrischsten französischen Komponisten ein. Er arbeitete sich durch das Gesamtwerk Saties in den Éditions Salabert und sammelte Fragmente sowie Motive. Diese ordnete und formte er behutsam neu, so, wie man aus bestehenden Worten eine neue Geschichte baut. Die abstrakten und rätselhaften Qualitäten Saties bleiben präsent, doch die Musik atmet ganz natürlich in der Sprache eines modernen Piano-Trios.

Subtile Spuren des heutigen Jazz-Vokabulars mögen an die Oberfläche treten, doch die Stimme ist unverkennbar Philipp Rüttgers‘ eigene. Seine Erkundungsreise führte ihn über die bekannten „Gymnopédies“ und „Gnossiennes“ hinaus zu weniger bekannten Werken wie „Les Fils des étoiles“ („Der Sohn der Sterne“) und „Uspud“. Diese entstanden während Saties rosenkreuzerischer Phase – bevor er sich mit dem Orden überwarf und seine eigene Religion gründete, die Église Métropolitaine d'Art de Jésus Conducteur (“die Metropolitane Kunstkirche von Jesus dem Leiter”), deren einziges Mitglied bekanntermaßen er war.

Saties’ Vorliebe für Zurückhaltung und Reduktion spiegelt sich deutlich in Philipps Spiel wider: mehr Ausdruck durch weniger Noten, wenn die Musik es verlangt, und vielschichtige Komplexität, wenn sie sich entfaltet. In diesem dynamischen Raum gewinnt das Zusammenspiel mit der Schlagzeugerin Sun-Mi Hong und dem Bassisten Omer Govreen eine bemerkenswerte Tiefe. Das Trio hört genau hin, gestaltet die Balance organisch und lässt Transparenz zu einer expressiven Stärke werden.