Philipp Rüttgers Trio - RE: SATIE – Picturing the Invisible (CD)
Mehr als eine Hommage: Das Philipp Rüttgers Trio erzählt die Musik von Erik Satie in der Sprache des zeitgenössischen Jazz weiter. Intim, geheimnisvoll und klanglich auf Referenzniveau.
An der Schwelle zum 20. Jahrhundert ging Erik Satie konsequent eigene Wege. Statt Pathos und Überfülle suchte der französische Außenseiter das Wesentliche: schwebende Melodien, klare Linien und dazu eine gute Portion Ironie. Wie eigenwillig er war, zeigt eine Anekdote: Er rief eine eigene Kirche ins Leben und blieb ihr einziges Mitglied. Seine Klavierminiaturen haben bis heute nichts von ihrem Zauber verloren.
Philipp Rüttgers, Pianist und Komponist mit Wahlheimat Amsterdam, widmet diesem Einzelgänger sein zweites Album im Trio-Format. Als Ausgangsmaterial diente ihm die komplette Werkausgabe. Seite für Seite hat er nach prägnanten Ideen gesucht, sie aus ihrem Zusammenhang gelöst und zu neuen Kompositionen verwoben. Neben Klassikern wie den Gymnopédies und Gnossiennes kommen so auch fast vergessene Werke wie „Le Fils des étoiles“ oder „Uspud“ zu Wort. Wer nachgespielte Satie-Stücke erwartet, wird überrascht: Hier entsteht eigenständiger Jazz, in dem Saties Handschrift immer wieder durchschimmert.
Das Trio agiert als echte Einheit. Omer Govreen am Kontrabass und Sun-Mi Hong am Schlagzeug hören genau hin, lassen Raum und setzen Akzente, wo es darauf ankommt. Zarte, fast schwebende Passagen wechseln sich mit lebendigen, rhythmisch zupackenden Momenten ab. Das Schlagzeug arbeitet mit feinsten Details, das Klavier setzt immer wieder kurze, perlende Tupfer. Oft hinterlässt gerade das, was nicht gespielt wird, den stärksten Eindruck: eine Pause, ein nachklingender Ton.
Klanglich setzt das Album Maßstäbe: Die Aufnahme entstand in DSD bei Sound Liaison in Hilversum, einer Adresse, die unter HiFi-Fans einen hervorragenden Ruf genießt. Josephson-C700-Mikrofone in der Mitte des Ensembles, unterstützt von zusätzlichen Einzelmikrofonen, sorgen für ein räumliches, luftiges Klangbild, in dem jedes Instrument greifbar wirkt.
Die richtige Wahl für Jazzhörer, Klassikfreunde mit offenen Ohren und alle, die ihre Anlage einmal so richtig ausreizen möchten.